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RECYCLING UND VERWERTUNG VON EPS-DÄMMPLATTEN

Brohlburg B-plus produziert seit Juni 2014 ausschließlich EPS-Dämmstoffe mit dem unbedenklichen Flammschutzmittel Polymer-FR

Das Themenfeld Recycling / Verwertung von rückgebauten Baustoffen rückt immer mehr in den Fokus, wenn es z.B. darum geht, nachhaltig zu planen und zu bauen. Das Themenfeld muss aber auch beim heutigen oder auch zukünftigen Rückbau von Gebäuden verantwortungsvoll berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund möchten wir mit dieser Broschüre wichtige Informationen an Sie weitergeben, die frühere EPS-Dämmstoffprodukte mit HBCD und heutige EPS-Dämmstoffprodukte mit dem neuen, seit Juni 2014 verwendeten Flammschutzmittel Polymer-FR aus unserem Hause betreffen.

  • EPS-Dämmstoffe mit dem alten Flammschutzmittel HBCD können auch weiterhin aufgedoppelt und thermisch verwertet werden.
  • Brohburg B-plus und der Industrieverband Hartschaum (IVH) engagieren sich in einem europäischen Projekt zum stofflichen Recycling von EPS-Dämmstoffen mit HBCD und Dämmstoffen mit Polymer-FR (CreaSolv®-Verfahren).
  • Neue EPS-Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR werden nicht mehr als gefährlicher Abfall eingestuft.

Einstufung von HBCD-haltigen Polystyrolhartschäumen als "gefährlicher Abfall"


Noch am 26. Februar 2015 hatte die Bundesregierung die Einstufung von EPS-Dämmstoffen mit HBCD als Sondermüll als nicht für sinnvoll und erforderlich erachtet. Auch das Umweltbundesamt stellte in seinem Leitfaden zum Thema HBCD, Stand Februar 2014, fest, "dass auch bei einer Umwelt­risikobetrachtung bei der Entsorgung dieses Abfalls sich keine andere abfallrechtliche Gefährlichkeitseinstufung ergibt".

Aus Gründen der Nachverfolgbarkeit (Tracking) beschloss der Umweltausschuss des Bundesrats im August 2015, dass alle Abfälle, die sogenannte POP Stoffe (Persistent organic pollutants — gemäß Stockholmer Konvention) oberhalb der stoffspezifischen Grenzkonzentration enthalten, formal als gefährlicher Abfall klassifiziert werden.

Im alten EPS betrug der HBCD-Anteil ca. 0,7 Gew.-%. Das Flammschutzmittel ist im Polymergerüst fest eingebettet. Zahlreiche Untersuchungen und Prüfungen der TU München, des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) und des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) belegen, dass HBCD weder ausgast noch ausgewaschen wird.

Auch für den Rückbau und die Entsorgung sind keine besonderen Sicherheits- oder Personenschutzmaßnahmen erforderlich. Da HBCD fest in die Struktur des EPS-Rohstoffs eingebaut ist, tritt es beim Brechen, Sägen oder (Heißdraht)-Schneiden nicht aus.

Die Aufdoppelung bestehender HBCD-haltiger EPS-Wärmedämm-Verbundsysteme mit neuem Polymer-FR-haltigem EPS ist auch nach der neuen Einstufung des Dämmstoffs eine sinnvolle Maßnahme zur energetischen Ertüchtigung. Durch die Aufdoppelung kann EPS mit HBCD weitere Jahrzehnte als Dämmstoff an der Wand genutzt werden. Bei einem späteren Rückbau können dann sowohl HBCD-haltiges EPS als auch EPS mit dem neuen Flammschutzmittel mit Hilfe des CreaSolv®-Verfahrens recycelt oder thermisch verwertet werden.

Verwertung von EPS mit HBCD

Die Verbrennung von HBCD im Falle des Rückbaus wird über REACH und POP vorgeschrieben. Zur Energiegewinnung legt der IVH Wert darauf, dass dieses in Müllheizkraftwerken (MHKW) als thermische Wiederverwertung vorgenommen wird.

Bisher wurden EPS Dämmstoffe mit HBCD thermisch verwertet. Auch nach der neuen Einstufung können HBCD-haltige Dämmstoffe weiter energetisch in Müllheizkraftwerken, die über eine entsprechende Genehmigung verfügen, verwertet werden. Von 80 MHKW in Deutschland verfügen nach einer Umfrage der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) in Deutschland 10 Anlagen ausweislich über diese Genehmigung zur thermischen Verwertung von als gefährlich deklarierten Abfällen.

Zirka 30 der oben genannten 80 Anlagen weisen das nicht ausdrücklich aus; sie verwerten jedoch heute schon Abfälle mit "sonstigen Abfallschlüsselnummern", unter die früheres EPS mit HBCD bisher fiel. Sie können ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren beantragen, um auch weiterhin rückgebautes EPS mit HBCD thermisch verwerten zu können. Zusätzlich zu diesen Verwertungsanlagen existieren in Deutschland 11 Sonderabfallverwertungsanlagen, die ebenfalls gefährliche Abfälle thermisch verwerten können.

Bei jährlich 200 Millionen Tonnen Bauabfällen entfallen ca. 42.000 Tonnen auf Dämmstoffe aus EPS und Extrudierten Polystyrolhartschäumen (XPS), davon ca. 10.000 Tonnen EPS mit HBCD aus dem Rückbau von Wärmedämm-Verbundsystemen. Der Industrieverband Hartschaum steht in Kontakt zu der zuständigen Expertenrunde der Landesumweltminister und der Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen Deutschland (ITAD) um eine unbürokratische und schnelle Genehmigungs­erteilung für die oben genannten 30 MHKWs zu erreichen.

Solvolyse-Verfahren, eine Alternative für die Zukunft (CreaSolv®)

Eine Alternative zur thermischen Verwertung ist das CreaSolv®-Verfahren. Bis 2018 soll eine erste Solvolyse-Pilotanlage in Betrieb gehen. Brohlburg B-plus und der IVH engagieren sich aktiv an dem europäischen Projekt, um das Verfahren weiter voranzutreiben. Das CreaSolv®-Verfahren ermöglicht die Trennung von HBCD und EPS. Über eine stoffliche Verwertung kann dann der EPS-Ausgangsstoff Polystyrol gewonnen werden. Parallel dazu kann das HBCD in ein neues unbedenkliches Flammschutzmittel umgewandelt werden. Auch EPS mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR kann mit dem CreaSolv®-Verfahren recycelt werden.

Woran erkennt man einen Dämmstoff mit HBCD?

Vor 2014 verbauter EPS-Dämmstoff enthält das alte Flammschutzmittel HBCD. Hersteller bzw. Händler müssen über die Verwendung des Stoffes Auskunft geben. Über ein Online-Formular des Umweltbundesamtes kann der Hersteller, Händler oder Importeur hier einfach angefragt werden. Zudem muss auch nach der Bauproduktenverordnung die Information mit der Leistungserklärung zum CE-Zeichen den Endverbrauchern bereitgestellt werden.

EPS-Hartschaum mit dem neuen Flammschutzmittel Polymer-FR

Das neue Flammschutzmittel Polymer-FR wurde im Rahmen langjähriger Forschungsarbeiten entwickelt und bis 2014 zur industriellen Produktionsreife des EPS-Rohstoffes gebracht. Dieses neue Flammschutzmittel ist im Sinne der europäischen REACH-Verordnung und der weltweiten POP-Liste der Stockholmer Konvention weder toxisch noch bioakkumulierbar. Von der Herstellung und Verwendung gehen keine Gefahren für Mensch und Umwelt aus.

Brohlburg B-plus hat frühzeitig auf das HBCD-Verbot reagiert und bereits im Juni 2014, ein Jahr vor dem Verbot (21.08.2015) von HBCD, auf den neuen Rohstoff umgestellt. Die EU-Kommission hat jedoch Ausnahmeregelungen für die Verwendung von HBCD für eine Reihe europäischer Rohstoffproduzenten mit Wirkung bis maximal Mitte 2017 unter Einhaltung sehr hoher Auflagen erteilt. Die Mitglieder des Industrieverbands Hartschaum nutzen diese Sondergenehmigung nicht und produzieren ausschließlich EPS-Dämmstoff mit dem neuen Flammschutzmittel Polymer-FR.

Wiederverwertung EPS mit Polymer-FR


Das Müllheitzkraftwerk Würzburg zählt
durch permanente Nachrüstung zu den
modernsten und saubersten thermischen
Abfallverwertungsanlagen Deutschlands.



Das neue EPS lässt sich vielfältig weiter- und wiederverwenden. Dies beginnt bereits bei der Herstellung: Produktionsabfälle werden zerkleinert und direkt dem Herstellungsprozess wieder zugeführt. Ebenso kann mit nicht verschmutztem Baustellenabschnitt, z. B. von EPS-Fassadendämmplatten, verfahren werden. Nach einer Lebensdauer von 50 Jahren und mehr gibt es weitere Recycling-Möglichkeiten:

  • Verwertung im Bauwesen:
    Hier wird das gebrauchte EPS gemahlen und als Leichtzuschlag für Mörtel, Beton und Dämmputze eingesetzt. Für die Ziegelindustrie dient das Recycling-EPS zur Porenbildung im Tonmaterial.
  • Verwertung durch Aufschmelzen / Verdichten:
    Die so gewonnenen Recycling-Produkte können zur Herstellung von Polystyrol-Spritzgussteilen eingesetzt werden.
  • Thermische Verwertung:
    Falls keine andere Verwertungsmöglichkeit besteht, kann EPS zur Energierückgewinnung in Müllheizkraftwerken rückstandsfrei thermisch verwertet werden. Dies zeigt erneut eine gemeinschaftliche Untersuchung von PlasticsEurope und IVH zusammen mit dem Müllheizkraftwerk Würzburg in 2013.
    Die thermische Verwertung ist kein Sonderweg für EPS. Vielmehr wird sie auch bei allen anderen Hartschäumen und auch bei vielen sogenannten ökologischen Dämmstoffen wie Holzweichfaser oder Zellulose empfohlen. Andere Dämmstoffe, z. B. aus künstlicher Mineralfaser, werden deponiert.
  • Künftige Recyclingmöglichkeit:
    CreaSolv®-Verfahren

In der Zusammenarbeit mit der BASF SE Ludwigshafen, war Brohlburg B-plus ab Juni 2014 einer der ersten Hersteller von EPS-Dämmplatten, welcher ausschließlich Rohstoffe mit dem neuen Flammschutzmittel Polymer FR verarbeitet.

Unsere Dämmstoffe aus Styropor® und silbergrauem EPS, wie z. B. Neopor®, erfüllen höchste nationale und europäische Umweltstandards und sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Umwelt- und Klimaschutz auf unserem Planeten. Auf unserer Internetseite www.brohlburg.com finden sie die aktuellen EPD's (Umwelt-Produktdeklarationen).

Brohlburg B-plus wird Sie selbstverständlich auch künftig zu diesem und auch zu anderen Themen ausführlich informieren.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.